Kurz zusammengefasst
- Die Zeitform folgt der zeitlichen Bedeutung deiner Aussage.
- Beschreibe abgeschlossene Erhebungsschritte anders als gegenwärtige Textaussagen.
- Prüfe fachliche Konventionen und bleibe innerhalb einer Passage konsistent.
Keine Zeitform für die ganze Arbeit erzwingen
Eine wissenschaftliche Arbeit spricht über verschiedene Zeiten: Ein Modell wird im Text erklärt, eine Erhebung wurde durchgeführt und eine Schlussfolgerung gilt möglicherweise weiter. Darum ist „alles im Präsens“ oder „alles in der Vergangenheit“ selten eine hilfreiche Regel.
Die Schreibunterstützung der Monash University weist darauf hin, dass beschreibendes akademisches Schreiben häufig Gegenwartsformen nutzt, Berichte über Methodik und Befunde aber andere Zeitformen brauchen können. Beachte zusätzlich die Konventionen deines Fachs und die Sprache deiner Arbeit.
Theorie und bisherige Forschung einordnen
Mit dem Präsens kannst du eine im Text weiterhin gültige Definition darstellen: „Das Modell unterscheidet drei Ebenen.“ Für eine datierte Forschungshandlung passt eine Vergangenheitsform: „Die Studie befragte 2022 Studierende.“ Beide Sätze können direkt nebeneinander stehen, weil sie verschiedene Aussagen machen.
Beschreibe frühere Befunde nicht automatisch als zeitlos gültige Tatsachen. „In dieser Stichprobe berichteten …“ hält die Datengrenze sichtbar. Eine Gegenwartsform kann passend sein, wenn du erklärst, was der veröffentlichte Artikel aussagt. Entscheidend bleibt die Bedeutung, nicht ein mechanischer Wechsel nach Kapitelüberschrift.
Eigene Erhebung und Ergebnis sauber trennen
Abgeschlossene Schritte kannst du in der Vergangenheit berichten: „Die Interviews wurden im Juni durchgeführt.“ Eine Tabelle, die Lesende jetzt sehen, kann im Präsens erläutert werden: „Tabelle 2 zeigt die Verteilung.“ Mische diese Perspektiven nicht innerhalb eines Satzes, wenn dadurch unklar wird, wann etwas geschah.
Eigenes Beispiel: „Wir wählten drei Seminare aus und befragten ihre Teilnehmenden. Die Auswertung zeigt Unterschiede zwischen den Gruppen.“ Die erste Aussage beschreibt einen vergangenen Arbeitsvorgang, die zweite den im Dokument präsentierten Befund. Ob du „wir“ verwenden darfst, hängt von Schreibstil und tatsächlicher Autorenschaft ab.
In einer englischen Fassung gelten vergleichbare Bedeutungsunterschiede, aber nicht jede deutsche Konstruktion lässt sich wörtlich übertragen. „The study surveyed students“ beschreibt eine abgeschlossene Handlung; „Table 2 shows“ verweist auf den vorliegenden Text. Prüfe die sprachliche Konvention der gewählten Arbeitssprache.
Bei der Schlusskorrektur nach Bedeutung prüfen
Markiere im Entwurf Sätze, deren Zeitbezug unklar ist. Frage jeweils, ob du einen vergangenen Schritt, eine weiterhin bestehende Quelle, einen aktuell dargestellten Befund oder eine vorsichtige allgemeine Aussage beschreibst. Ändere nur dort die Zeitform, wo sie diese Bedeutung verzerrt.
Achte auch auf Bedingungen und Grenzen: „Die Daten zeigen“ klingt allgemeiner als „In der untersuchten Stichprobe zeigte sich“. Manchmal löst eine genauere Eingrenzung das Problem besser als der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit.
Einordnung für die finale Abgabe
Viele formale Themen wirken zunächst wie reine Schreibarbeit. Für die gedruckte Abgabe sind sie aber genauso wichtig: Was im Dokument fehlt, falsch platziert ist oder uneinheitlich formatiert wurde, erscheint später auch in der gebundenen Fassung.
Nutze den Beitrag deshalb nicht isoliert, sondern prüfe ihn zusammen mit Deckblatt, Inhaltsverzeichnis, Seitenzahlen, Quellenangaben und Anhang. Erst wenn die Datei vollständig ist, sollte sie als finale PDF für Druck und Bindung vorbereitet werden.
Praktische Kontrolle vor dem PDF-Export
- Stimmen Überschriften, Kapitelstruktur und Seitenzahlen?
- Sind Quellen, Abbildungen und Tabellen vollständig eingebunden?
- Sind Pflichtbestandteile wie Erklärung, Anhang oder Deckblatt enthalten, falls gefordert?
- Wurde die finale PDF-Datei nach dem Export noch einmal geöffnet und geprüft?
Checkliste
- Vergangene Arbeitsschritte sind zeitlich eindeutig.
- Definitionen und Textverweise passen zur Aussage.
- Befunde bleiben auf die Daten bezogen.
- Zeitformen wechseln aus sachlichem Grund.
- Fach- und Sprachkonventionen sind geprüft.
Typische Fehler
- Ein starres Tempus für jedes Kapitel vorgeben.
- Frühere Einzelbefunde als allgemeine Dauerwahrheit formulieren.
- Bei der Übersetzung deutsche Tempusmuster ungeprüft übernehmen.
Deine fertige Arbeit drucken und binden
Wenn Inhalt und finale PDF geprüft sind, kannst du die Druckausführung passend zu deinen Abgabevorgaben konfigurieren.
Druck und Bindung konfigurierenWeiterführende Inhalte
Vertiefe passende Themen zu Aufbau, Quellenarbeit, Formatierung und Abgabe deiner wissenschaftlichen Arbeit.
Häufige Fragen
Steht die Methodik immer in der Vergangenheit?
Die tatsächlich abgeschlossenen Schritte häufig schon. Allgemeine Begründungen, Beschreibungen eines verwendeten Modells oder Textverweise können eine andere Zeitform brauchen.
Darf ich im Fazit Präsens verwenden?
Ja, wenn du die im Text entwickelte Antwort erläuterst. Bleibe bei Aussagen über konkrete frühere Daten sorgfältig und formuliere keine größere Gewissheit, als dein Design trägt.
Ist „Tabelle 1 zeigte“ falsch?
Nicht grundsätzlich. Für den Verweis auf die jetzt vorliegende Tabelle ist „zeigt“ oft natürlich. Wähle die Form nach dem gemeinten Zeitbezug und den Konventionen deines Fachs.
