Kurz zusammengefasst
- Sekundärzitate beziehen sich auf Quellen, die du nicht selbst im Original gelesen hast.
- In wissenschaftlichen Arbeiten solltest du möglichst Originalquellen verwenden.
- Sekundärzitate sind nur sinnvoll, wenn die Originalquelle nicht zugänglich ist.
- Ein Sekundärzitat muss klar gekennzeichnet werden, häufig mit „zitiert nach“.
- Du solltest nie so tun, als hättest du die Originalquelle selbst geprüft.
- Vor Druck und Abgabe müssen alle Quellenangaben und Literaturverzeichnisse abgeglichen werden.
Was ist ein Sekundärzitat?
Ein Sekundärzitat liegt vor, wenn Autor A eine Aussage von Autor B zitiert und du diese Aussage aus Autor A übernimmst, ohne Autor B selbst gelesen zu haben.
Beispiel:
Du liest bei Müller eine Aussage von Weber. Das Buch von Weber hast du aber nicht selbst vorliegen. Wenn du diese Weber-Aussage trotzdem verwendest, zitierst du sekundär.
Das Problem: Du kennst die Originalquelle nicht. Du weißt also nicht sicher, ob die Aussage korrekt wiedergegeben wurde, ob der Kontext stimmt oder ob wichtige Einschränkungen fehlen.
Warum sollte man Sekundärzitate vermeiden?
Sekundärzitate sind wissenschaftlich schwächer als Originalzitate. Wissenschaftliches Arbeiten verlangt, dass du Quellen selbst prüfst und Aussagen nachvollziehbar belegst. Wenn du nur eine sekundäre Wiedergabe kennst, bist du von der Interpretation einer anderen Autorin oder eines anderen Autors abhängig.
Risiken von Sekundärzitaten:
Deshalb gilt: Suche immer zuerst nach der Originalquelle.
- Die ursprüngliche Aussage kann verkürzt sein.
- Der Kontext kann fehlen.
- Die Sekundärquelle kann die Originalquelle falsch verstanden haben.
- Seitenzahlen können ungenau sein.
- Du kannst die Aussage nicht selbst überprüfen.
- Deine Quellenarbeit wirkt weniger gründlich.
Wann sind Sekundärzitate erlaubt?
Sekundärzitate können ausnahmsweise sinnvoll sein, wenn die Originalquelle nicht zugänglich ist. Das kann zum Beispiel bei sehr alten, vergriffenen, fremdsprachigen oder schwer beschaffbaren Quellen vorkommen.
Ein Sekundärzitat kann vertretbar sein, wenn:
Bei zentralen Theorien, Definitionen oder Schlüsselquellen solltest du besonders vorsichtig sein. Wenn eine Quelle für deine Argumentation sehr wichtig ist, solltest du das Original möglichst beschaffen.
- die Originalquelle nicht verfügbar ist
- die Beschaffung unverhältnismäßig schwierig wäre
- die Aussage für deine Arbeit wichtig ist
- die Sekundärquelle seriös und wissenschaftlich ist
- du transparent kennzeichnest, dass du nicht das Original gelesen hast
Wie kennzeichnet man Sekundärzitate?
Sekundärzitate werden häufig mit „zitiert nach“ gekennzeichnet. Dadurch zeigst du, dass du die ursprüngliche Quelle nicht selbst gelesen hast.
Beispiel im Text:
Weber beschreibt soziale Handlung als sinnhaftes Verhalten (Weber 1922, zitiert nach Müller 2021, S. 45).
Oder in einer Fußnote:
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft, 1922, zitiert nach Müller, Thomas: Einführung in die Soziologie, Berlin 2021, S. 45.
Die genaue Form hängt vom Zitierstil ab. Wichtig ist, dass klar bleibt:
- Wer ist die Originalquelle?
- Wo hast du die Aussage tatsächlich gelesen?
- Welche Quelle steht dir vor?
Sekundärzitat nach APA
Bei APA werden Sekundärzitate meist mit „as cited in“ angegeben. In deutschen Arbeiten wird oft eine übersetzte Form wie „zitiert nach“ verwendet, wenn die Hochschule das erlaubt.
Beispiel im Text:
Weber (1922, zitiert nach Müller, 2021) beschreibt ...
Oder:
Die Theorie sozialer Handlung geht auf Weber zurück (Weber, 1922, zitiert nach Müller, 2021).
Im Literaturverzeichnis steht in der Regel nur die Quelle, die du tatsächlich gelesen hast. Wenn du also Müller gelesen hast, steht Müller im Literaturverzeichnis. Prüfe aber unbedingt die Vorgaben deiner Hochschule.
Sekundärzitat nach Harvard
Bei Harvard kann ein Sekundärzitat so aussehen:
Weber (1922, zitiert nach Müller 2021, S. 45) beschreibt soziale Handlung als sinnhaftes Verhalten.
Oder:
Soziales Handeln wird als sinnhaftes Verhalten verstanden (Weber 1922, zitiert nach Müller 2021, S. 45).
Auch hier gilt: Die Sekundärquelle, die du tatsächlich gelesen hast, muss im Literaturverzeichnis stehen. Die Originalquelle wird je nach Richtlinie zusätzlich oder nur im Text genannt.
Sekundärzitat in der deutschen Zitierweise
In der deutschen Zitierweise mit Fußnoten kann ein Sekundärzitat so aussehen:
¹ Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft, 1922, zitiert nach Müller, Thomas: Einführung in die Soziologie, Berlin 2021, S. 45.
Wenn du die Originalquelle nicht selbst gelesen hast, darfst du sie nicht so darstellen, als sei sie direkt von dir geprüft worden. Die Formulierung „zitiert nach“ ist deshalb entscheidend.
Originalquelle finden
Bevor du ein Sekundärzitat nutzt, solltest du versuchen, die Originalquelle zu finden.
Mögliche Wege:
Oft ist eine Originalquelle leichter zugänglich als zunächst gedacht. Besonders bei wichtigen Fachartikeln lohnt sich die Suche.
- Hochschulbibliothek durchsuchen
- Bibliotheksverbund nutzen
- Google Scholar prüfen
- DOI oder Titel suchen
- Fernleihe verwenden
- Datenbanken deiner Hochschule nutzen
- Betreuerin oder Betreuer fragen
- Literaturverzeichnis der Sekundärquelle prüfen
Sekundärzitate bei Definitionen
Bei Definitionen solltest du besonders vorsichtig sein. Wenn du eine zentrale Definition verwendest, sollte sie möglichst aus der Originalquelle stammen.
Schwächer:
Müller erklärt, dass Weber soziales Handeln als sinnhaftes Verhalten versteht.
Stärker:
Du liest Weber selbst und zitierst die relevante Stelle direkt oder paraphrasierst sie aus dem Original.
Wenn du eine Theorie oder Definition nur über eine andere Quelle kennst, kann es passieren, dass du eine vereinfachte oder verzerrte Version übernimmst.
Sekundärzitate und Plagiat
Ein Sekundärzitat ist nicht automatisch ein Plagiat. Problematisch wird es, wenn du nicht kennzeichnest, dass du die Originalquelle nicht selbst gelesen hast.
Falsch:
Du zitierst Weber direkt, obwohl du nur Müller gelesen hast.
Richtig:
Du gibst an, dass Weber bei Müller zitiert wurde.
Wissenschaftliche Redlichkeit bedeutet, transparent zu machen, welche Quellen du tatsächlich genutzt hast.
Sekundärzitate im Literaturverzeichnis
Welche Quelle ins Literaturverzeichnis gehört, hängt vom Zitierstil ab. Häufig wird nur die Sekundärquelle aufgenommen, weil nur diese tatsächlich gelesen wurde. Manche Hochschulen verlangen zusätzlich Angaben zur Originalquelle.
Prüfe:
Wichtig ist, dass Textbeleg, Fußnote und Literaturverzeichnis zusammenpassen.
- Was verlangt dein Zitierstil?
- Was steht im Leitfaden deiner Hochschule?
- Soll nur die gelesene Quelle ins Literaturverzeichnis?
- Muss die Originalquelle zusätzlich genannt werden?
Sekundärzitate vor dem Druck prüfen
Vor dem Druck solltest du Sekundärzitate gezielt kontrollieren. Sie sind fehleranfällig, weil zwei Quellen beteiligt sind.
Prüfe:
- Ist „zitiert nach“ überall korrekt gesetzt?
- Ist klar, welche Quelle du gelesen hast?
- Steht die gelesene Quelle im Literaturverzeichnis?
- Sind Seitenzahlen korrekt?
- Gibt es eine Möglichkeit, die Originalquelle doch noch zu prüfen?
- Wurde die finale PDF nach dem Export kontrolliert?
Einordnung für die finale Abgabe
Viele formale Themen wirken zunächst wie reine Schreibarbeit. Für die gedruckte Abgabe sind sie aber genauso wichtig: Was im Dokument fehlt, falsch platziert ist oder uneinheitlich formatiert wurde, erscheint später auch in der gebundenen Fassung.
Nutze den Beitrag deshalb nicht isoliert, sondern prüfe ihn zusammen mit Deckblatt, Inhaltsverzeichnis, Seitenzahlen, Quellenangaben und Anhang. Erst wenn die Datei vollständig ist, sollte sie als finale PDF für Druck und Bindung vorbereitet werden.
Praktische Kontrolle vor dem PDF-Export
- Stimmen Überschriften, Kapitelstruktur und Seitenzahlen?
- Sind Quellen, Abbildungen und Tabellen vollständig eingebunden?
- Sind Pflichtbestandteile wie Erklärung, Anhang oder Deckblatt enthalten, falls gefordert?
- Wurde die finale PDF-Datei nach dem Export noch einmal geöffnet und geprüft?
Checkliste
- Originalquelle gesucht
- Zugriffsmöglichkeiten geprüft
- Sekundärzitat nur bei begründetem Bedarf verwendet
- „zitiert nach“ korrekt eingesetzt
- gelesene Quelle eindeutig genannt
- Seitenzahl angegeben
- Literaturverzeichnis mit Textbelegen abgeglichen
- Hochschulvorgaben geprüft
- zentrale Definitionen möglichst aus Originalquelle zitiert
- finale PDF geprüft
Typische Fehler
- Originalquelle nicht gesucht
- Sekundärzitat wie Direktzitat behandeln
- „zitiert nach“ vergessen
- nicht gelesene Quelle ins Literaturverzeichnis übernehmen
- Sekundärzitate zu häufig nutzen
- zentrale Theorie nur aus zweiter Hand übernehmen
- Seitenzahlen verwechseln
- Zitierstil uneinheitlich anwenden
- Quellenverzeichnis nicht abgleichen
- PDF vor Druck nicht prüfen
Quellenarbeit final geprüft?
Wenn Sekundärzitate korrekt gekennzeichnet und Quellenangaben vollständig sind, kannst du Literaturverzeichnis und finale PDF für Druck und Bindung vorbereiten.
Bachelorarbeit drucken lassenHäufige Fragen
Was ist ein Sekundärzitat?
Ein Sekundärzitat ist ein Zitat aus einer Quelle, die du nicht selbst im Original gelesen hast, sondern nur über eine andere Quelle kennst.
Sollte man Sekundärzitate vermeiden?
Ja. Verwende möglichst Originalquellen. Sekundärzitate sollten nur genutzt werden, wenn die Originalquelle nicht zugänglich ist.
Wie kennzeichnet man ein Sekundärzitat?
Häufig mit „zitiert nach“. Dadurch zeigst du, dass du die ursprüngliche Quelle nicht selbst gelesen hast.
Gehört die Originalquelle ins Literaturverzeichnis?
Das hängt vom Zitierstil und den Hochschulvorgaben ab. Häufig steht die Quelle im Literaturverzeichnis, die du tatsächlich gelesen hast.
Sind Sekundärzitate Plagiate?
Nein, wenn sie korrekt gekennzeichnet sind. Problematisch ist es, wenn du so tust, als hättest du die Originalquelle selbst gelesen.
Wann darf ich ein Sekundärzitat verwenden?
Wenn die Originalquelle nicht zugänglich ist und die Aussage für deine Arbeit wichtig bleibt.
Wie viele Sekundärzitate sind erlaubt?
Es gibt keine feste Zahl. In guten wissenschaftlichen Arbeiten sollten Sekundärzitate aber selten bleiben.
